
TIME4CLAY&LIME im Jubiläumsjahr: Warum Lehm und Kalk Baustoffe der Zukunft sind
Am 18. Juni 2026 feierte das Institut für angewandte Gewerbeforschung im Rahmen der Veranstaltung „Gewerbe & Handwerk im Dialog“, sein 10-jähriges Bestehen in der Christoph Leitl Lounge der Wirtschaftskammer Österreich. Rund 150 Gäste aus Handwerk, Industrie, Ministerien, Universitäten und Partnerorganisationen kamen zusammen, um auf zehn Jahre angewandte Gewerbeforschung zurückzublicken.

Für das Projekt TIME4CLAY&LIME war dieses Jubiläum ein passender Resonanzraum. Denn kaum ein Projekt zeigt so deutlich, worum es dem IAGF seit seiner Gründung geht: traditionelles handwerkliches Wissen sichtbar zu machen, wissenschaftlich zu fundieren und für aktuelle Zukunftsfragen nutzbar zu machen
Lehm und Kalk stehen dabei im Zentrum. Beide Materialien sind alt – aber keineswegs überholt. Sie verbinden Baukultur, Denkmalpflege, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und handwerkliche Qualität. TIME4CLAY&LIME fragt daher nicht nur, wie traditionelle Techniken erhalten werden können, sondern wie sie in Qualifikation und moderner Baupraxis wieder stärker wirksam werden.
Traditionelles Wissen für nachhaltiges Bauen
In der Festschrift wird Kalk als Baustoff beschrieben, der durch seine historische Tiefe und seine heutige Relevanz überrascht. Besonders prägnant ist die Aussage eines Malermeisters: „Kalk ist einfach ein Produkt, das wir am längsten kennen.“ Ein anderer Satz bringt die handwerkliche Dimension auf den Punkt: „Kein Baustoff ergibt eine so edle Oberfläche wie Kalk, keiner setzt freilich auch so viel Erfahrung und Hingabe voraus.“

Genau hier setzt TIME4CLAY&LIME an. Das Projekt betrachtet Lehm und Kalk nicht nur als Materialien, sondern als Wissenssysteme. Wer mit ihnen arbeitet, braucht Verständnis für Untergründe, Feuchtigkeit, Raumklima, Trocknungszeiten, Verarbeitung, Oberflächen und historische Techniken. Dieses Wissen entsteht nicht allein im Lehrbuch. Es wird in der Praxis erworben, verfeinert und weitergegeben.
Damit knüpft TIME4CLAY&LIME direkt an einen zentralen Gedanken des Jubiläumsabends an. Dort wurde das IAGF als Brücke beschrieben: Theorie und Praxis sollen „nicht nebeneinander laufen“, sondern miteinander. Für TIME4CLAY&LIME heißt das: Forschung, Ausbildung, Denkmalpflege und Handwerksbetriebe müssen gemeinsam daran arbeiten, traditionelle Materialkompetenz zukunftsfähig zu machen.
Lebendiges Erbe statt Nostalgie
Beim Jubiläumsabend erinnerte Maria Walcher, Kultur- und Handwerksforscherin, daran, dass immaterielles Kulturerbe nicht bedeutet, Handwerk ins Museum zu stellen. Vielmehr gehe es „um lebendiges Erbe, nur um das, was wirklich jetzt existiert und zumindest über drei Generationen weitergegeben worden ist“.
Gerade in Zeiten von Klimawandel, Ressourcenknappheit, Gesundheitsbewusstsein und wachsender Sensibilität für Bauökologie gewinnen natürliche Baustoffe neue Bedeutung. TIME4CLAY&LIME zeigt, dass die Zukunft des Bauens nicht nur in neuen Technologien liegt, sondern auch in der Wiederentdeckung und Weiterentwicklung bewährter handwerklicher Verfahren.
Zum Download der Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum des Instituts für angewandte Gewerbeforschung
