
Tradition bewahren, Zukunft gestalten – Netzwerktreffen in Salzburg stärkt Zusammenarbeit im Projekt Time4Clay&Lime
„Wenn der Kalk frisch gelöscht ist, ist er wie Milch. Nach drei Monaten ist er wie Joghurt. Nach eineinhalb Jahren wie kalte Butter – und nach sechs Jahren braucht es richtig Kraft, ihn aus der Grube zu stechen.“(Katrin Dullinger)

Wie gelingt es, jahrhundertealtes Handwerkswissen für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts nutzbar zu machen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Expert:innenforum „Traditionelles Kalkbrennen und seine Bedeutung im 21. Jahrhundert“, das im April 2026 im Salzburger Freilichtmuseum stattfand. Vertreterinnen und Vertreter aus Handwerk, Denkmalpflege, Forschung, Architektur und Berufsbildung kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und neue Perspektiven für den Einsatz von Kalk im modernen Bauwesen zu entwickeln. Das Vernetzungstreffen war Teil der Veranstaltungsreihe KALK.KULTUR und wurde gemeinsam vom Salzburger Freilichtmuseum und dem Bundesdenkmalamt organisiert. Im Mittelpunkt standen Fachvorträge, praktische Vorführungen am historischen Kalkofen und intensive Gespräche über die Zukunft traditioneller Baustoffe. Besonders wichtig war dabei der Austausch zwischen Praxis, Wissenschaft und Berufsbildung.

Für das Erasmus+-Projekt Time4Clay&Lime war die Veranstaltung weit mehr als ein Fachtreffen. Sie vertiefte die bereits enge Zusammenarbeit zwischen dem Institut für angewandte Gewerbeforschung (IAGF) und dem Bundesdenkmalamt und bestätigte, wie wertvoll die Verbindung von handwerklicher Erfahrung, wissenschaftlicher Expertise und moderner Berufsbildung für die Entwicklung neuer Qualifizierungsangebote ist.
Katrin Dullinger, MBA, Geschäftsführerin der Dullinger Kalk GmbH in Ebenau, führte eindrucksvoll vor Augen, wie eng traditionelles Handwerk, fundiertes Materialwissen und höchste Qualitätsansprüche miteinander verbunden sind. Als Vertreterin eines Familienunternehmens, das seit drei Generationen Sumpfkalk produziert, schlug sie die Brücke zwischen jahrhundertealter Handwerkstradition und den Anforderungen des modernen Bauens.
„Wenn der Kalk frisch gelöscht ist, ist er wie Milch. Nach drei Monaten ist er wie Joghurt. Nach eineinhalb Jahren wie kalte Butter – und nach sechs Jahren braucht es richtig Kraft, ihn aus der Grube zu stechen.“
Mit diesem Vergleich machte sie deutlich, dass die Qualität eines Kalkes nicht allein von seiner Herstellung, sondern wesentlich von seiner Lagerung und Reifezeit abhängt.
Auch auf die Leistungsfähigkeit traditionell gereiften Sumpfkalks ging sie ein:
„Unser Malerkalk hat eine wesentlich höhere Deckkraft als ein nur drei Monate alter Kalk – bei gleicher Konsistenz und gleicher Verdünnung.“

Wissen erhalten – gemeinsam weiterentwickeln
Auch die Beiträge des Salzburger Freilichtmuseums machten deutlich, dass historische Kalköfen und traditionelle Herstellungsverfahren weit mehr sind als museale Exponate. Sie sind lebendige Lernorte, an denen handwerkliches Wissen erfahrbar wird und an kommende Generationen weitergegeben werden kann.
Die Diskussionen zeigten eindrucksvoll, dass nachhaltiges Bauen nicht allein durch neue Technologien entsteht. Ebenso wichtig sind regionale, traditionelle Werkstoffe und das Wissen um deren richtige Verarbeitung. Gerade Kalk- und Lehmbeschichtungen gewinnen vor dem Hintergrund von Klimaschutz, Ressourcenschonung und gesundem Raumklima wieder zunehmend an Bedeutung.
Genau hier setzt TIME4CLAY&LIME an. Gemeinsam mit europäischen Partnerorganisationen entwickelt das Projekt neue Weiterbildungsangebote und Micro-Credentials sowie eine modellhafte Höhere Berufsqualifikation auf EQR-/NQR-Niveau 5. Ziel ist es, traditionelles Handwerkswissen mit modernen Anforderungen des Malerhandwerks zu verbinden und Fachkräfte für die Herausforderungen nachhaltigen Bauens zu qualifizieren.
