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Time4clay&lime Blog

Rückblick Fachgespräch „Kalk & Lehm“ in der Kartause Mauerbach, 29.04.2026

Am 29. April 2026 kamen im Rahmen des EU-Projekts TIME4CLAY&LIME rund 50 Expertinnen und Experten aus Malerhandwerk, Denkmalpflege, Architektur, Forschung, Bildung und Baupraxis in der Kartause Mauerbach zum Fachgespräch „Kalk und Lehm“ zusammen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen traditionelle mineralische und natürliche Baustoffe, ihre handwerkliche Verarbeitung sowie ihre Bedeutung für Denkmalpflege, nachhaltiges Bauen und zeitgemäße Baukultur. Dabei wurde deutlich, dass Kalk und Lehm nicht nur auf eine jahrhundertelange Anwendungsgeschichte zurückblicken, sondern auch für aktuelle Fragen des ressourcenschonenden und ökologischen Bauens wertvolle Lösungsansätze bieten.

Fachliche Impulse kamen von Mag. Astrid Huber-Reichl vom Bundesdenkmalamt, Leiterin des Informations- und Weiterbildungszentrums Baudenkmalpflege, dem Restaurator und Kalkexperten Hannes Weißenbach, der Malermeisterin Alexandra Vierlinger, dem Geologen und Baustoffkundler Dr. Karl Stingl, dem Malermeister und Autor Gerold Ulrich sowie dem Architekten und Lehmforscher Univ.-Doz. Dr. techn. Hubert Feiglstorfer.

Mag. Astrid Huber-Reichl stellte die besonderen Qualitäten des Baustoffs Kalk in einen größeren Zusammenhang und sprach von der „Ökonomie des Einfachen – und damit der Ökologie des Einfachen“. Der Ansatz verweist auf eine Bauweise, die mit bewährten Materialien, überschaubaren Prozessen und einem bewussten Umgang mit Ressourcen auskommt.

Wie wesentlich dabei handwerkliche Erfahrung und das unmittelbare Verständnis eines Materials sind, verdeutlichte Hannes Weißenbach: „Hören, Fühlen, Riechen, Sehen – das ist etwas, was kein Messinstrument kann.“ Damit wurde auch eine zentrale Botschaft des Fachgesprächs sichtbar: Fachwissen entsteht nicht ausschließlich durch Messwerte und technische Daten, sondern ebenso durch Erfahrung, Beobachtung und den praktischen Umgang mit dem Baustoff.

Auch Lehm stand als einer der ältesten Baustoffe der Menschheit im Fokus. Gerade vor dem Hintergrund heutiger Anforderungen an nachhaltiges und gesundes Bauen gewinnt das Material erneut an Bedeutung. Univ.-Doz. Dr. techn. Hubert Feiglstorfer verwies insbesondere auf die bauphysikalischen Eigenschaften des Lehms: „Die wirklichen Qualitäten des Lehms liegen in der Feuchtigkeitsabgabe.“

Neben wissenschaftlichen und fachtheoretischen Perspektiven spielte die praktische Vermittlung eine zentrale Rolle. Den anschaulichen Abschluss des Fachprogramms bildete ein Kalklöschen im Freien. Der Versuch wurde bewusst im kleinen Maßstab in einer Scheibtruhe durchgeführt, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Prozess unmittelbar beobachten und nachvollziehen konnten.

Im Anschluss setzte sich der fachliche Austausch in entspannter Atmosphäre bei Wein und Brot im Barockgarten der Kartause Mauerbach fort. Die Gespräche boten Gelegenheit, Erfahrungen aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammenzuführen, Kontakte zu vertiefen und neue Perspektiven für die Arbeit mit Kalk und Lehm zu diskutieren.

Das Fachgespräch zeigte damit eindrucksvoll, wie wichtig der Austausch zwischen Handwerk, Denkmalpflege, Forschung, Architektur und Bildung für die Weitergabe traditionellen Wissens und dessen Verbindung mit aktuellen Anforderungen an eine nachhaltige Baupraxis ist. Genau hier setzt auch das EU-Projekt TIME4CLAY&LIME an: vorhandenes Wissen sichtbar zu machen, Kompetenzen weiterzugeben und die Anwendung von Kalk und Lehm für zukünftige Generationen zu stärken.

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