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Workshop-Reflexion: Old Virtues im Praxistest bei der BSGH – zwei Workshops am 25. Februar 2026

Am 25. Februar 2026 fanden in Wien zwei praxisorientierte Workshops zur Diskussion der Inhalte des Forschungsprojekts „Old Virtues, New Work“ statt. Im Mittelpunkt standen die in den Projektfolien entwickelten Zukunftsszenarien sowie die Frage, welche Rolle traditionelle Arbeitstugenden in der Arbeitswelt von morgen spielen. Die Teilnahmebestätigung und Anwesenheitsliste dokumentieren die Durchführung und Beteiligung der Praxisvertreter aus dem Gewerbe- und Handwerksbereich.

Der erste Workshop erfolgte mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundessparte Gewerbe und Handwerk. Ein zweiter Workshop fand am Nachmittag statt – diesmal mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BI der Rauchfangkehrer, BI der Friseure sowie der FV der Lebens- und Sozialberater.

Kritik an den Szenarien: zu abstrakt, zu wenig greifbar

Die im Projekt entwickelten Szenarien wurden von den Teilnehmenden intensiv diskutiert – jedoch überwiegend kritisch beurteilt. Ein zentraler Punkt war, dass die Szenarien aus Sicht der Praxis auf einer zu hohen, „Meta“-Ebene angesiedelt sind.

Viele der dargestellten Entwicklungen wurden als zu abstrakt und wenig konkret beschrieben. Es fehle an greifbaren Beispielen, die zeigen, wie sich die beschriebenen Veränderungen tatsächlich im betrieblichen Alltag von KMU im Gewerbe und Handwerk niederschlagen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wünschten sich daher stärker operationalisierte Darstellungen, aus denen unmittelbare Handlungsoptionen für Betriebe ableitbar sind.

Gen Z und Work-Life-Balance: starke Differenzierungen statt Pauschalbilder

Ein Schwerpunkt des Nachmittags-Workshops war die kritische Diskussion der Ergebnisse zu Gen Z (u. a. Erwartungen, Motivation, Kommunikation und Arbeitsplatzgestaltung). Dabei wurde betont, dass viele Aussagen aus der Perspektive der Praxis nur dann tragen, wenn soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen mitgedacht werden.

Besonders deutlich wurde:

  • Work-Life-Balance ist stark vom finanziellen Spielraum abhängig. Wie weit Beschäftigte (und Betriebe) bereit sind, Work-Life-Balance zu leben bzw. einzufordern, hängt nach Einschätzung der Teilnehmenden wesentlich davon ab, ob die wirtschaftliche Lage dies zulässt (z. B. bei Einkommensniveau, Wohnkosten, familiären Verpflichtungen, betrieblichem Druck).
  • Unterschiede zwischen Jugendlichen in der Großstadt und am Land wurden als „groß“ beschrieben: Erwartungen an Arbeit, Mobilität, Erreichbarkeit von Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten sowie Alltagskosten und Lebensrealitäten unterscheiden sich deutlich.
  • Auch die sozialen Voraussetzungen (z. B. Unterstützung durch Familie/Umfeld, Bildungswege, Stabilität, Zugang zu Infrastruktur) wurden als entscheidend hervorgehoben – und als Faktor, der Gen-Z-Aussagen stark relativieren kann.

Damit wurde in der Diskussion klar: „die“ Gen Z gibt es aus Praxissicht nicht als einheitliches Bild – vielmehr zeigen sich segmentierte Lebenslagen, die unterschiedliche Erwartungen und Handlungsspielräume erzeugen.

Skepsis gegenüber Benchmarking und Kooperation

Ein weiterer kritischer Punkt betraf die in den Folien angesprochenen Konzepte von Benchmarking und verstärkter Kooperation zwischen Betrieben. In der Diskussion wurde deutlich, dass diese Ansätze aus Sicht der Praxis nur unter sehr spezifischen Bedingungen funktionieren können.

Insbesondere wurde betont, dass Kooperation und der Austausch sensibler betrieblicher Informationen ein hohes Maß an Vertrauen voraussetzen. Gerade im gewerblichen und handwerklichen Umfeld, das stark durch Wettbewerb geprägt ist, sei dieses Vertrauen nicht selbstverständlich gegeben. Benchmarking werde daher nicht grundsätzlich abgelehnt, aber als realistisch nur in sehr engen, vertrauensvollen Netzwerken gesehen.

Wachsende Unsicherheit durch KI und Digitalisierung

Ein dritter zentraler Diskussionspunkt war die Rolle von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. Während das Projekt die Chancen neuer Technologien im Zusammenspiel mit traditionellen Arbeitstugenden betont, äußerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch deutliche Bedenken. Insbesondere wurde die Sorge geäußert, dass durch KI-basierte Systeme die Möglichkeiten der Manipulation deutlich zunehmen könnten – etwa bei Informationen, Kommunikation oder Bewertungen von Leistungen. Damit verbunden sei eine wachsende Unsicherheit in der Arbeitswelt, die sowohl Betriebe als auch Beschäftigte vor neue Herausforderungen stellt.

Bedeutung traditioneller Tugenden bleibt unbestritten

Trotz der kritischen Diskussion zu Szenarien und Gen-Z-Zuschreibungen bestand in einem Punkt große Einigkeit: Die Bedeutung traditioneller Arbeitstugenden wurde von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern klar bestätigt.

Sinnstiftende Tätigkeit (mit Sichtbarkeit des Endprodukts/der Enddienstleistung), Vertrauen, Handschlagqualität und gegenseitiger Respekt wurden als unverzichtbare Grundlagen für funktionierende Arbeitsbeziehungen hervorgehoben. 

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